Vom Schiffsverkehr und der Flößerei auf der Mur

- Schiffsverkehr auf der Mur
Die älteste urkundliche Nachricht über den Schiffsverkehr auf der Mur stammt aus dem Jahre 1380. In diesem Jahr gestattete Herzog Leopold III. dem Propst und den Chorherren des Stiftes Seckau, Wein von ihren Besitzungen im Unterland auf der Mur mit den gleichen Freiheiten in ihr Kloster zu führen, die sie beim Transport zu Lande genossen. Das Kloster schien die Schifffahrt nicht lange betrieben zu haben, denn sie war wohl zu kostspielig.
Ein Murschiff war etwa 20 Meter lang und 6,5 Meter breit, besaß einen Aufbau und wurde aus Hartholz, meist Lärchenstämmen gebunden. Seine Lebensdauer betrug mehrere Jahre, aber der Wert eines solchen Schiffes war trotzdem nicht sonderlich hoch.
So versuchte der Leobner Schiffsmeister Hans Weidinger im Jahre 1607 sein eben erst gebautes Schiff dem Leobner Magistrat um 20 Gulden zu verkaufen. Der Rat der Stadt wollte aber nur 18 Gulden dafür geben, weil es ihm nicht mehr wert erschien. Zum Vergleich: ein Pferd kostete damals etwa 50 Gulden.
Die Schifffahrt stellte trotzdem einen beachtlichen Wert dar, der vor allem im Zubehör lag. Ein Schiffzug vom Oberland, etwa von Murau nach Graz und zurück benötigte für die Fahrt flußaufwärts 16 Pferde und natürlich die Instandhaltung der Treppelwege längs der Mur. Die Knechte mussten pünktlich entlohnt und die Pferde regelmäßig gefüttert werden. Andererseits musste der Schiffsmeister oft lange auf die Bezahlung seiner Auftragsgeber warten und Warenmagazine anlegen. Nach Leoben fuhr das letzte Schiff im Jahre 1643 und nach Bruck im Jahre 1673.
In den Flußordnungen, die aus der Zeit von 1566 bis 1668 enthalten sind, war die Zahl der Floßmeister genau festgelegt: in Judenburg einer, in Knittelfeld drei, in Leoben zwei und in Bruck an der Mur vier Floßmeister.
Das Zusammenbauen des Floßes erforderte viel Kraft und Geschicklichkeit. Man nannte es im Murtale "Einbinden" und im Ennstal "Anschlagen". Um die Stämme hochzuhalten, legte man an den beiden Enden Joche quer darüber. Die Joche wurden mindestens an den äußeren Stämmen, meist auch an den inneren Stämmen mit Holznägeln befestigt. Manchmal wurden die inneren Stämme mit Hilfe von "Wieden", die fest verkeilt wurden, befestigt. Ein "Wied" war ein geflochtener Kranz von Weidengerten, noch besser aus Ruten der Traubenkirsche. Die Ruder steckten auch in Wieden. Vorne das Granselruder (Grans, Gransen = Schiffsschnabel), das der Fahrer bediente und am hinteren Ende des Floßes stand der "Nachzieher", der das Steuerruder führte. Floßknechte hatten die Aufgabe, mit Stangen bei Gefahrenstellen das Floß nicht auffahren zu lassen.
In unserem Bereich gab es mehrere wichtige "Einbindeplätze" oder Floßläden. Am linken Murufer kannten wir die Fuchsgraben-, die Möschbauern- und die Otten-Länd. Am rechten Ufer die Schmidt-, die Ritzinger-Länd, die Herrschaftsländ und die Fischerländ in Pichl.
Bis zum großen Hochwasser im Jahre 1938 fanden viele Männer in unserer Gemeinde oft bei der Flößerei eine schwere aber doch lohnende Nebenbeschäftigung. Am Ende der 30er Jahre fand man nur schwer einen Arbeitsplatz.
(Quelle: Chronik "900 Jahre St. Lorenzen", SR Alex Leitgeb)
